Mariobartoli

25. Oktober 2019, gepostet in Brocken-Challenge 2012 Laufbericht, Retro-BeitragBrocken-Challenge 2012 – eine ultrakurze Laufgeschichte von Mario Bartkowski [Teil 2 vom 10.03.2012]


Mittelteil | Die Steig(er)ung

2 Monate vor dem Wettkampf (Auszug aus dem Lauftagebuch)

Tach Tagebuch !!

Mittwoch, 30.11.2011, wenige Minuten vor Mitternacht. Verdammt, diese unerträgliche Spannung! Und warum wuselt meine Frau hier immer noch rum ? Ich brauche noch mehr Kaffee, unbedingt, jetzt.
Also ab in die Küche, ich löse mich aber ungern vom PC. Herrjeh, Entscheidungen, Entscheidungen!
„Was soll Ich nun tun, hilf mir mal ? Was denkst Du ? Ja, nein, sag was? Gleich ist es soweit!“
Meine Frau muss nicht lange überlegen, Sie kennt mich nach über 7 Ehejahren nur allzu gut:
„Du machst doch sowieso, was Du willst, Schatz.“
Dann ein Kuss von Ihr, aber so richtig registriert habe Ich das nicht, ich klappere an der Kaffeemaschine rum. Das ist irgendwie herzlos, weil ich in Gedanken bin. Nun geht Sie pennen.
Ich bin am hin und her überlegen. Und es ist bald soweit. Auf der Webseite des Veranstalters hatte ich vor zwei Wochen schon gelesen, das die Teilnehmerplätze immer recht schnell vergeben sein sollen, frei nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, malt halt zuerst. Kaffee endlich fertig, nun aber fix zurück zum PC!
Meine Frau ist gerade schlafen gegangen. Gut, ich werd es jetzt tun – jetzt oder nie mehr!
Tick tack, Tick Tack!
Es ist wenige Minuten vor Mitternacht, der 01.12.2011 nähert sich mit großen Schritten, und ich sitze um diese nachtschlafende Uhrzeit noch vor dem PC und werde immer aufgeregter!
Nein, es geht hierbei nicht um irgendwelche Schweinereien,weit gefehlt. In wenigen Augenblicken sollen sich die Pforten zur Online-Anmeldung eines winterlich angehauchten
Wohltätigkeits-Ultra-Marathonlaufs öffnen, der mittlerweile 9. Brocken-Challenge. Ich kenne zu diesem Zeitpunkt ja bereits die Eckdaten, während die Digitalanzeige meiner Uhr die letzten sechzig Sekunden Countdown-Artig herunterspult: 80 KM laufend von Göttingen bis zum Gipfel des Brocken, 1900 Höhenmeter, 150 zugelassene Teilnehmer, eine Mords-Erfahrene Orga, ein Wahnsinns-Helferteam dahinter, Sponsoring vom Feinsten, eine familiäre Laufgemeinde…
HA! Es ist soweit, es ist Mitternacht!
Dann der Klick auf den heißersehnten Anmelde-Button, ich kann endlich das Online-Formular ausfüllen. Allein diese Inszenierung verdient doch den deutschen Internetpreis!
Ich überfliege das Onlineformular, fülle alles aus, achte sorgsam darauf, nichts auszulassen. In der Kürze liegt die Würze, nur auf das wesentliche kommt es an. Prima, so muss das sein.
Dann der Wegschick-Klick, fertig.
„Ich hab es getan, Schatz!“, rufe ich laut – keine Antwort. Stimmt, war schon spät. Ich also rübergeschlichen, und was höre ich ? Tiefes schnarchen. Alles klar. Nach der Aufregung hatte Ich aber noch ein wenig Bedenken: ist alles Online beim Veranstalter angekommen ?
Ja: Um 0:02 Uhr erhielt Ich per Mail die Mitteilung, das ich für die BC 2012 vorgemerkt sei.
„Überweis die Kohle, Alter, dann biste definitiv dabei!“, jubelte Ich innerlich. Eine ganze Zeit lang halte Ich mich noch am PC auf, um die aktuellen Zwischenstände der Anmeldung weiterer Teilnehmer zu beobachten. Soso, da war sogar jemand schneller wie Ich. Ein gewisser Eckhard Seher, in weniger wie 1 Minute ? „Na, der hat dann beim Lauf bestimmt auch ne flotte Sohle“, dachte ich und war insgesamt zufrieden. So Tagebuch, alles unter Dach und Fach. PC aus und dann www.ab-ins-bett.de

1 Monat vor Wettkampf (Auszug aus dem Lauftagebuch)

Huhu Tagebuch!!

Meine privaten Lauf-Coaches sind extrem stumme Gesellen, denn seit Beginn des modifizierten Trainingsplans haben beide noch kein einziges Wort (der Motivation wie z.B. „Quäl Dich, Du Sau!“) gesprochen. Aber beide Coaches haben einen enormen Vorteil: Sie quasseln nicht rechthaberisch dazwischen, man kann beide überall mitnehmen und immer wieder um (gut, zugegebenermassen theoretischen) Rat fragen. Die Rede ist von zwei Fachbuch-Autoren, den Herren Hubert Beck sowie Herbert Steffny.
Na klaro: Fängst Du mit dem Laufen ernsthaft an, besorgst Du Dir als Anfänger auch irgendwann Lesematerial.
Nach meinem ersten Wettkampf, dem Halbmarathon, hatte ich in einem bekannten Online-Shop geschaut, welche Lauf-Bücher denn am Besten bewertet wurden, Rezensionen durchgelesen, überlegt, gekauft.
Ein Trainingsplan sowie diverse, vorbereitende Anleitungen von Heffny halfen mir, den ersten Marathon zu schaffen. Da nun aber ein Ultra geplant ist, habe Ich die Ultramarathon-Trainingspläne (es gab nur jeweils einen Plan pro Buch) beider Autoren einigermassen sinnvoll kombiniert und mir einen (festhalten, nun kommts!) „12-Wochen-Universaltrainings-Schlachtplan für den 80 KM-Lauf“ herausgearbeitet (Man gut, dass das hier ein Lauftagebuch ist und nur ich das Lesen werde, denn ich könnte mir vorstellen, wie ansonsten diverse Laufprofis da draußen hilflos-zähneknirschend die Hände über den Kopf zusammenfalten würden, hehe…)
Tja, wie sieht denn der modifizierte Schlachtplan eines Novizen so aus?
Zum Beispiel sollte jeder einzelne Trainingslauf mit Laufrucksack 4 kg Gesamtgewicht durchgeführt werden. Warum ?
Steile und lange An – und Abstiege mit bis zu 1500 Höhen – und Tiefenmetern erfordern wohl eine besondere Fähigkeit zum Steigen. Das Laufen im Gebirge mit diesem Rucksackgewicht soll der 1,5 bis 2-fachen Belastung im Vergleich zu einem Straßenlauf entsprechen. Laut Buch soll dabei ein 20-km-Gebirgslauf etwa einem 30-40 km Straßenlauf entsprechen (wäre ganz schön krass).
Ein Anstieg von 1000 Höhenmetern soll darüber hinaus zusätzlich die Zeit für einen 10 km Straßenlauf plus die Wegstrecke selbst beanspruchen. Aber der Autor schreibt auch, das zur Krafteinsparung beim Steigen der Einsatz von Teleskopstöcken hilfreich sei. Wie nett. Da man Steigungen als Hannoveraner Flachländer schwer trainieren kann, bleibt mir nur der heimische Kronsberg (rauf und runter, rauf und runter!) sowie Steigungstraining auf dem Laufband im Fitnessstudio des Vertrauens. Na, immerhin muss ich nicht noch wie Rocky totes Fleisch zusammenboxen und so.
Aber die Anforderungen gehen ja noch weiter: Mindestens 5 mal die Woche Laufen (mind. 80-100 km die Woche!), davon ein langer Lauf am Wochenende. Das erinnerte mich ein wenig an den Marathon-Trainingsplan. Das passte. Es kamen nur weitaus mehr Trainingskilometer dazu.
Die neunte Woche des Plans sah zudem sog. Gipfeltraining vor: das tägliche(!) Laufen von zwei bis drei Stunden über die Dauer von einer Woche. Daneben hatte ich noch regelmässige Fahrtenspiele eingebaut sowie Alternativtraining (Rad, Kraftausdauer-Training im Fitness-Studio, manchmal Schwimmen mit Family). Tja, der Plan ist also alles andere als bescheiden. Werden das meine Muskeln, Gelenke und Knochen überhaupt mitmachen ?

So Tagebuch, noch 4 Wochen, dann bin Ich entweder ein Ultraläufer… oder Ultrablöd zu glauben, mit so einem Trainingsplan jemals einer zu werden….

1 Woche vor Wettkampf (Auszug aus dem Lauftagebuch)

Moin Tagebuch!!


Die Meldungen der letzten Wochen hatten sowohl in der Social Community im Allgemeinen als auch auf der offiziellen Webseite des Veranstalters einen gewissen schwarz-humorigen Weltuntergangs-Flair.
Das schicksalhafte Jahr 2012 hatte doch gerade erst begonnen, obwohl das ominöse Datum 21.12.2012 noch in weiter Ferne lag?
Welche Meldungen ? Um was geht es jetzt schon wieder ? Okay, Ich erzähl’s Dir:
Was hatte Ich mich gefreut, als es Anfang Dezember letzten Jahres hieß, auf dem Gipfel würden – woohooo! – arktische Verhältnisse herrschen! Es klang abenteuerlich! Jeden News-Schnipsel der Brocken-Challenge-Orga hatte Ich bis dahin verschlungen. Die Wetterverhältnisse waren vornehmlich Gesprächsthema Nummer eins, kein Wunder, denn nicht nur die Brockenläufer durften sich schon Wochen vor dem Wettkampf akklimatisieren, auch der Rest Deutschlands wurde regelmäßig von der Boulevard-Presse in typisch-gewohnter Mainstream-Angstschürerei-Manier mit Schlagzeilen wie Eishölle auf Erden oder Schneechaos und Killerorkane bei Laune gehalten. Je eisiger und kälter es wurde, desto verstörter auch die Gesichter der Passanten während meiner Trainingsläufe. Eine echt spaßige Sache!
Diverse Kommentare von Kumpels, Arbeitskollegen und der eigenen Familie rundeten das Ganze (mehr oder weniger) amüsant ab…
Die letzten, langen Läufe bei Minusgraden im zweistelligen Bereich verschaffen mir bereits ein ungefähres Gefühl, was mich erwartet, aber mittlerweile mache Ich mir keinen Streß mehr wegen des Wetters.
Eher sind es letzte, organisatorische Dinge, um die ich mir Kopfzerbrechen bereite, wie beispielsweise eine noch fehlende Isomatte als Unterlage für den Schlafsack, wohin mit dem Schlafzeugs nach der Übernachtung, der seit Wochen bestellte Salomon-Rucksack wollte einfach nicht an Land kommen, die Anreise per Bahn oder doch lieber Mitfahrer eines anreisenden Teilnehmers, usw. usf.
So Tagebuch, ich hab noch zu tun, denn in dieser Woche möchte ich u.a. noch für Family&Friends im heimischen Wohnzimmer eine TV-Präsentation (per HDMI zwischen PC u. TV) vorbereiten.
Bei Kaffee und Kuchen (Danke schonmal im voraus, meine liebe Frau) werde Ich mich explizit an die Bilddarstellungen und Streckenbeschreibungen des Veranstalters halten.
Achja, und wenn man der versammelten Truppe dann vorführt, wie lang so ein Ultramarathon eigentlich ausschaut – wenn also das Ganze mit Google Maps und den GPS-Daten der Challenge von 2011 aufbereitet wird – könnte das für den einen oder anderen Aha – Oha – Öhja -Effekt sorgen.Es hat auch den Vorteil, die Strecke nochmals zu verinnerlichen!
Also, bis bald!!

verfasst von mariobartoli

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